Complicated Beauty | Komplizierte Schönheit

by Anja Lückenkemper

The key to understanding Saskia Groneberg's photography lives from the second look; a look that peers beyond the aesthetic beauty of the image composition and embraces the almost imperceptible discrepancies and subtle humor that give her work a captivating tension. Here, in the second look, the depth of research underlying her art is revealed, and the substantial multi-layered analysis that characterizes her work beyond the image’s subject is made visible. How inherently abstract concepts of community and culture can be portrayed artistically is a question that runs through Groneberg's photography, not by illustrating political events, but by shifting the focus away from humans to the domesticated, artificial nature they create.
While her interest in botanical phenomena is primarily socio-political, the plants in her images do not function as a background, but instead dominate human life as a "boundary object," the physical object in sociological theory that imparts different perspectives, attitudes, and interpretations to observers. Nature shaped by humans, in the form of an ornamental plant, a garden, or even a designed landscape, constitutes a surface in Groneberg’s images that invites the viewer to question not only human behavior and psyche, but social, cultural, and political processes and events. Through the motif of artificial nature – whether a canal or the leaf of an office plant – Groneberg's photos expose more about the human condition and the politics of communal life than so many portraits.
The subject matter in Groneberg's artistic practice often originates from a manifest discrepancy in the relationship between man and nature. From their mutual influence, which is not always conflict-free, Groneberg develops various photographic series that often scrutinize synthetic nature as the surface upon which human desires and needs are projected. Many of Groneberg's works depict a moment of friction or tipping point in the relationship between humans and nature. As complex as the often ambivalent positioning or negotiation between how these binaries materialize in reality, so too are Groneberg’s photographs. Her concern is never just a simple assertion or evaluation; on the contrary, her visual language manages not only to capture contradictions in an exceptional way but to allow disparate phenomena to equally coexist.
Saskia Groneberg’s work combines the seemingly contradictory ideas of conceptual and documentary photography. Between subjective narrative and rational analysis, she creates works that depict the world, ask questions, but never attempt to provide simple answers. Groneberg’s images excel in this, bearing a precise, but also equally haunting, complicated beauty. Not least of all, they demonstrate the attention and subtle humor with which the artist approaches the world. In her photography and video works, Groneberg challenges perceptions of classical subjects and habits of seeing and also formally expands the concept of fine art photography. In addition to images and video, her work also includes book projects and installations, and increasingly, artistic explorations of thematic archives and historical visual material as well. 

Der Zugang zu Saskia Gronebergs fotografischen Arbeiten lebt vom zweiten Blick. Einem Blick, der hinter die ästhetische Schönheit der Bildkomposition blickt und sich auf die fast unmerklichen Dis­­krepanzen und den feinen Humor einlässt, die ihre Arbeiten in ­Spannung versetzen. Hier, im zweiten Blick, zeigt sich die fundierte Recherchearbeit, auf die ihr künstlerisches Arbeiten aufbaut und es werden die vielschichtigen inhaltlichen Auseinandersetzungen sichtbar, die hinter dem Bild­sujet liegen und ihre Praxis prägen. Die Frage, wie inhärent abstrakte Konzepte über Gemeinschaft und Kultur insgesamt künstlerisch dargestellt werden können, zieht sich durch Gronebergs Schaffen. Dabei illustriert die Künstlerin keine politischen Ereignisse, sondern rückt den Fokus weg vom Menschen hin zu der von ihm domestizierten, artifiziellen Natur.
Ihr Interesse an botanischen Phänomenen ist somit vor allem ein sozialpolitisches Interesse, und trotzdem fungieren die Pflanzen in ihren Bildern nicht als Hintergrund, sondern dominieren das menschliche Leben. In Gronebergs Arbeiten sind sie ein boundary object, das physische Grenzobjekt soziologischer Theorie, durch das wir als Betrachter*innen unterschiedliche Perspektiven, Haltungen und Interpretationen vermittelt bekommen: Die vom Menschen geprägte Natur, sei es in ihrer Ausformung als Zierpflanze, als Garten, oder auch gestaltete Landschaft, bildet in ihren Werken eine Oberfläche, die uns erlaubt Aussagen über mensch­liches Verhalten, über menschliche Psyche, aber auch über soziale, kulturelle oderpolitische Vor­gänge und Ereignisse zu treffen. So lernen wir über das Motiv der artifiziellen Natur – sei es ein Kanal oder das Blatt einer Büropflanze – in Gronebergs Bildern mehr über die menschliche Verfasstheit und über die Politiken des Zusammenlebens, als so manches Portrait offengelegt hätte. 
Inhaltlicher Ausgangspunkt für Gronebergs künstlerische Praxis ist oftmals eine sichtbar gewordene Diskrepanz im Verhältnis Mensch – Natur. Aus dieser nicht immer konfliktfreien wechselsei­tigen ­Einflussnahme entwickelt Groneberg fotografische Serien, die häufig eine synthetisierte Natur hinterfragen und sie als Projektionsfläche menschlicher Sehnsüchte und Bedürfnisse herausarbeitet. Viele von Gronebergs Arbeiten bebildern dabei einen Reibungs- oder Kipp­moment im Verhältnis von Mensch und Natur: So komplex wie die oft zwiespältige Positionierung oder Aushandlung zwischen diesen beiden Binaritäten sich in der Wirklichkeit vollzieht, so komplex sind auch Gronebergs Fotografien. Es geht ihr nie um eine ein­fache ­Aus­sage oder Bewertung, im Gegenteil, ihre Bildsprache schafft es auf besondere Weise Widersprüche nicht nur einzufangen, sondern die konträren Phänomene gleichwertig nebeneinander (be-)stehen zu lassen.
Saskia Groneberg verbindet in ihrer künstlerischen Arbeit zwei scheinbar gegensätzliche Konzepte, nämlich fotografische Konzeptkunst und Dokumentarfoto­grafie. Zwischen subjektiver Erzählung und rationaler Analyse entstehen so Werke, die von der Welt erzählen, die Fragen stellen und dabei nie versuchen, einfache Antworten zu liefern. So gelingen ihr Bilder, die gleichermaßen präzise sind, aber auch eine eindringliche, komplizierte Schönheit in sich tragen. Die nicht zuletzt die Achtung und den subtilen Humor, mit dem sich die Künstlerin der Welt annähert, sichtbar werden lassen. Groneberg fordert in ihren Foto-, und Videoarbeiten die Sichtweisen auf klassische fotografische Sujets und Sehgewohnheiten heraus und arbeitet auch formal an einer Erweiterung des fotografischen Kunst­begriffs: So umfasst ihr Werk, neben Fotografien und Videos, auch Buchprojekte und Installationen und verstärkt auch eine künstlerische Auseinandersetzung mit thematischen Archiven und historischem Bildmaterial.
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